Jan 10
Dieses Gedicht hat eine besondere Bedeutung für mich.
Meiner Meinung nach spiegelt es sehr gut die Liebe zur Natur und dem Streben nach Freiheit der Seele wieder, die ein Mensch angesichts einer beeindruckenden Naturlandschaft empfindet. Und natürlich auch die Sehnsucht des Tieres “Mensch” nach Erlösung durch eine mysthische Verschmelzen mit der unberührten Natur. Hier werden Himmel und Erde Eins, also das Irdische und das Überirdische. Diese Vereinigung erinnert an antike Schöpfungsmythen, wie die ägyptische von Nut (Himmel) und ihrem Gemahl Geb (Erde). Ich habe dieses Gedicht daher schon immer sehr gemocht.
Meiner Urgroßmutter haben wir damals einen Auzug des Gedichts mit ins Grab gegeben. Denn ich glaube fest, dass Ihr Sterben eine Reise “nach Haus” war.
Als junge Frau arbeitete sie an einer Kinokasse. Mein Großvater war auf den Erstenblick in sie verliebt. und von da an, ging er solange immer wieder in dieses Kino, bis sie schließlich mit ihm ausging. Und tatsächlich heiratete sie ihn sogar. Meine Urgroßmutter liebte ihren Mann wirklich sehr. Doch leider hatten die Beiden nicht viel Zeit Ihr Glück auszukosten. Der Krieg trennte sie sehr bald. Als ihr geliebter Mann endlich aus dem Krieg zurückkehrte, war er sterbenskrank und hatte nicht mehr lange zu leben. Bis zu seinem Tode kümmerte sie sich liebevoll um ihn.
Nach seinem Tod gab sie sich nicht auf. Sie war immer eine atraktive Dame, die viel Wert auf Ihre Erscheinung und die schönen Dinge des Lebens legte. Doch die Liebe hatte sie aufgegeben. Denn trotz Ihrer vielen Verehrer , die sie bis ins hohe Alter hatte, blieb sie bis an ihr Lebensende alleine und Ihrem Mann über den Tod hinaus treu. Er war immer ihr einzig wahres Zuhause, ihr Seelenverwandter.
Mondnacht
von Joseph Freiherr von Eichendorff
Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt’.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
3 Kommentare
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Das Gedicht habe ich mal bei dir entdeckt, erinnerst du dich?
ich wollte es dir in einem buch zeigen und habs nicht mehr gefunden, du hast es dann vorgelesen, weil du es mir auch zeigen wolltest. eins der schönsten gedichte die ich je gelesen habe.
Ja, der alte von Eichendorff ist schon was ganz Besonderes. Ein Gedicht der Romantik par excellence, ein Destillat an Worten aus Sinn und Gefühlen.
Vor allem der “Flug nach Haus” ist eine Methapher, der die Sehnsucht der menschlichen Seele so schön beschreibt wie kein anderes Gedicht.
Hi Nadine,
natürlich erinner ich mich daran! An dem Tag hatten wir gutes Wetter und haben im Garten gesessen, Tee getrunken, gequatscht und in den Gedichtbänden gestöbert. Also mehr oder weniger wie immer.;o) War das nicht auch der Tag, wo die Amseln unsere arme alte Katze , mit Sturzflügen wie ein Bombergeschwader, ins Haus gejagt haben?